Litauen im Juni 2008
Viel zu lange haben wir gewartet – endlich starten wir zu einer Reise nach Litauen, dem Geburtsort von Helga. Mit dem Flugzeug erreichten wir am 7. 6. 2008 vom Flughafen Tegel in 1 ½ Stunden die Hauptstadt Litauens, Vilnius.
Gelandet - Ankunft in Vilnius
Valdas, der Sohn von Anna, einer Cousine von Helga, empfängt uns am Flughafen und startet zu unserer ersten Reise durch Litauen, von Vilnius nach Kaunas geht die Fahrt.
Mit einem Zwischenstopp in Trakai. Heute finden die traditionellen Ritterspiele statt.
Trakai liegt rund 20 km westlich von Vilnius. Hier entstand im 14. Jahrhunderts das politische Zentrum Litauens. Auf Vytautas, einen bedeutenden Fürsten dieser Zeit, sind die Litauer stolz und nennen ihn den ungekrönten König Litauens. Er ließ eine Burg bauen und brachte damals Tartaren und Karäer nach Trakai und siedelte sie dort an. Nachdem die Burg mehrfach zerstört wurde, ist sie heute ist fast vollständig restauriert.
Begrüßung in Kaunas - unserem ersten Reiseziel
Hier, in Helgas Geburtsort, wollen wir die Spurensuche beginnen. Zu unserer Überraschung fanden wir viele Strassen, Häuser und Orte aus der Zeit vor 65 Jahren wieder.
In Vorbereitung auf diese Reise habe ich Dokumente und Berichte gesammelt, über die Geschichte der Familie, besonders aus der ferneren Vergangenheit. Zurück, bis weit vor dem Einmarsch Napoleons 1812, denn in dieser Zeit gehörte Kaunas wieder einmal zu Russland.
Die Vorfahren der Familie kamen in den Jahren nach der Reformation aus Deutschland in diese Gegend. Viele suchten einen Ort, in dem sie in ihrem evangelisch lutherischen Glauben friedlich leben konnten. Hier bekamen sie Land, das sie bewirtschaften konnten. Litauen war, übrigens auch heute noch, dünn besiedelt. Die Leute waren bescheiden und man lebte zusammen ohne Feindschaft und mit viel Toleranz. Zwischen den Litauern, den Deutschen und den vielen jüdischen Familien, die auch hier gesiedelt hatten, gab es keinen Hass und Streit. Man tauschte Waren aus und redete miteinander über gemeinsame Probleme und lachte miteinander.
Die deutschen Familien hielten in all den Jahren eng zusammen. Man pflegte die eigene Kultur und die evangelisch lutherische Religion. Sie bauten sich eigene Schulen, Kirchen und sogar eigene Krankenhäuser, wie die deutsche Klinik in Kaunas.
Die Väter vererbten Land an ihre Söhne. Neue Familien entstanden. Die neuen Siedler hießen Milchert, Neumann, Baer, Deich, Wagner, Stichler, Blechert. Die Vornamen der Kinder waren wie die ihrer Väter und Mütter. Die Söhne hießen Alexander, Josef, Adam, August, Gustav, Johann, Ludwig, Gottlieb, Karl, Gerhard, Reinhold, Eduard und die Töchter Johanna, Helene, Kristine, Adeline, Anna, Eva, Henriette, Karoline, Emilie, Irene, Helga.
Das funktionierte über Jahrhunderte trotz wechselhafter Machtverhältnisse im Lande. Erst der 2. Weltkrieg und deren Folgen haben das Leben der Deutschen in Litauen ausradiert. Die meisten mussten flüchten oder wurden vertrieben und umgesiedelt. Wir fanden selbst bei den wenigen noch vorhandenen Verwandten kaum die deutsche Sprache. Nach dem Ende des Krieges wurde aus Litauen eine Sowjetrepublik und die letzten Deutschen wurden Sowjetbürger.
Nur mit der litauischen und polnischen Sprache oder in den letzten Jahren auch wieder mit Russisch gibt es eine Chance sich zu verständigen. Leider sprechen wir nicht diese Sprachen und Russisch haben wir leider nie richtig gelernt. Die einzige Verständigung war in Englisch möglich. Besonders mit der jungen Generation klappt das ausgezeichnet.
Orte der Erinnerung:
In diesem Hospital in der Traku Str.,
der ehemaligen deutschen Klinik, wurde Helga geboren.
Die evangelisch lutherische Kirche ist wieder ein Anziehungspunkt für fromme Christen in Kaunas. Nach der Andacht versuchte ich die Besucher am Ausgang in ein Gespräch in deutscher Sprache zu verwickeln. Leider verstand mich kein Einziger.
In dieser Kirche wurde sie getauft. Von 1945 bis 1990 war es keine Kirche sondern eine Lagerhalle und Verkaufsraum für Lebensmittel.
Hier lebten Ihre Eltern und Großeltern,
in Kaniuken
Gräber von Onkel und Tante
In dieser Strasse wohnte die Familie nach ihrer ersten Ausweisung in Folge des Hitler - Stalin Packtes.
Kaunas ist eine interessante Stadt
Vieles wurde wieder aufgebaut
und liebevoll rekonstruiert. Das Rathaus
Aus Valdas seinem Garten Und auf der anderen Seite des Flusses
der Blick auf die Memel soll 1812 Napoleon gestanden haben.
Helgas Vaterhaus. Emma
Man sagt, es soll das schönste Haus in Kaniuken gewesen sein. In den letzten 50 Jahren bewohnt es eine russische Familie.
Das Land gehörte ihrem Großvater. Damals waren es 5 Hektar Land.
Eine Autofahrt nordwärts führt uns nach Kaidany. Hier sind die Wurzeln von Helgas Vorfahren mütterlicherseits. Die Stadt war das Zentrum der Reformation in Litauen. Noch heute gibt es hier eine evangelisch-lutherische Kirche. Offiziell wurde 1590 dem Ort das Stadtrecht als Magdeburger Recht verliehen.
Die Kirche - weit sichtbar. In der Kirche.
Sie wurde mit Spendengeldern aus Deutschland nach 1990 mühevoll rekonstruiert.
Ein sehr aufwendiges Verfahren. Noch heute wirken die Spuren aus der Zeit der Sowjetunion, als in diesem Raum große Mengen von Rohhäute gelagert waren, in Salz eingebettet. Das Salz sitzt bis heute tief im Mauerwerk.
In der deutsche Strasse, Litauisch Vokiecio
Die letzten Tage waren wir in Vilnius bei Lina und Aurimas.
So hatten wir Zeit auszuspannen und uns Vilnius anzusehen.
Toll rekonstruiert und viele historische Gebäude in altem Glanz.
Die Deutsche Strasse. Hier war 1942 das Erinnerungen an die Zeit als Litauen
Ghetto der Juden von Vilnius. zur Sowjetunion gehörte.
Ein Höhepunkt - die Ballonfahrt über Litauen.
Aurimas,
(Hot air balloon pilot since 1998,
Licence No. LA083)
Das Abenteuer beginnt.
Aurimas ist ein geübter Ballonpilot mit Aufstiegen in die 8000er Regionen. Er zeigte viel Nachsicht bei meinem ersten Versuchen im Heißluftballon. Wer Litauen besucht, sollte unbedingt die Internetadresse www.oreivystescentras.lt/en/ besuchen.
Danke noch einmal an alle unsere lieben Verwandten und Freunde in Litauen.